Der Mansfeld kommt

Erinnerungen an Krieg und Frieden

Autor: Helmut Bollmann

 

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Ein guter Tausch

   Anfang Dezember verlegte die Abteilung erneut in die jetzt tief verschneiten Berge. Bolle hatte sich aus Ortona einen zweisitzigen englischen Schützenpanzer mitgebracht, ein mit einem Maschinengewehr bestücktes Kabriolett auf Ketten sozusagen. Es war ein herrliches Spielzeug, das dem Kommandeur sofort ins Auge stach.

"Was wollen Sie dafür haben?" fragte er. Und wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: "Das Kettenkrad."

Der Major zögerte. Das war ein hoher Preis. In der ganzen Abteilung gab es erst ein einziges dieser schweren Motorräder mit dem Halbkettenfahrgestell, und das gehörte dem Stab. Schließlich nickte er: "Einverstanden, Sie alter Gauner. Sie wissen immer noch, was Sie wollen."

Bolle putzte versonnen seine Brille. Beide dachten an Grafenwöhr. Dazwischen lagen so an die tausend Jahre.  -

   Und wieder einmal führte der Marsch quer durchs Gebirge, von Chieti über Sulmona nach Castel di Sangro. Das Kettenkrad übertraf alle Erwartungen. Mit ihm kam man selbst dann noch weiter, wenn sogar Panzer im tiefen Schnee stecken blieben.  Die schoben die weiße Pracht zu Eisbergen zusammen, saßen mit der Wanne auf und zappelten dann hilflos dicht über dem Boden, weil die Ketten nicht mehr griffen. Das konnte mit dem Kettenkrad zwar auch passieren, aber das ließ sich von ein paar Mann leicht wieder von der Stelle schaukeln.

   Bolle konnte zufrieden sein, es war wirklich kein schlechter Tausch. Das zeigte sich besonders deutlich, als er einmal  dazukam, als sich eine Menge Leute bemühten, den in einer Schneewehe steckenden Luxus-Schützenpanzer seines Kommandeurs wieder flottzumachen. Glücklicherweise saß nur sein Fahrer drin. Wenn der Major den mobilen Bolle gesehen hätte, hätte er sich den Handel möglicherweise noch einmal überlegt.

 

   

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