Der Mansfeld kommt

Erinnerungen an Krieg und Frieden

Autor: Helmut Bollmann

 

<- voriges Kapitel

nächstes Kapitel ->

Die Associated Press

   Bei einer kleinen Betriebsfete anlässlich des sechsjährigen Bestehens der "Werra-Rundschau" nahm ihn der Chef beiseite: "Sie verdienen zu wenig, aber wenn ich ihr Gehalt erhöhe, dann muss ich die andern auch erhöhen. Das trägt unserer Auflage nicht, das wissen Sie ja am besten." -

"Was soll ich machen?" -

"Versuchen Sie es bei einer wirklich großen Zeitung. Die 'FAZ' oder die 'Süddeutsche Zeitung' in München kämen für Sie in Betracht. Oder, noch besser, bei ihren Englischkenntnissen sollten Sie es bei einer der großen amerikanischen Nachrichtenagenturen versuchen. Die AP ist sehr seriös."

FAZ, Süddeutsche, AP - das war alles verdammt hoch gegriffen.

   Bolle überlegte es sich reiflich. Ihn drängte eigentlich nichts. Das Verhältnis zu den Kollegen konnte gar nicht besser  sein, und der Verleger war nicht nur als Chef ein Ausnahmemensch, dem er sich stark verbunden fühlte. Anderseits hatte der recht, an ein Fortkommen war bei der "Werra-Rundschau" nicht zu denken, mit einer Auflagensteigerung angesichts der drückenden Konkurrenz der "Hessischen Nachrichten" in Kassel, mit ihrem eigenen Teil für den Kreis Eschwege, nicht zu rechnen. Selbst die "Kasseler Zeitung" hatte in Eschwege eine Lokalredaktion aufgemacht.

     Nach längerem Nachdenken entschloss er sich an seinem 33. Geburtstag im Mai 1954, den Absprung zu riskieren. Er griff gar nicht erst zum Telefon, da holte man sich doch nur einen Korb, er  setzte sich gleich in den Zug und ging in Frankfurt, dicht am Bahnhof - Kaiserstraße-Ecke Moselstraße - zur Zentralredaktion der Associated Press Deutschland GmbH. Und was er kaum für möglich gehalten hatte, die konnten tatsächlich gerade einen Mann mit guten Englischkenntnissen gebrauchen.

   Nach einem kurzen Einstellungsgespräch und einer längeren Probearbeit konnte er anfangen - möglichst schon gestern. Sie zahlten ganze 50 Mark mehr als die "Werra-Rundschau", doch die Zukunftsperspektiven waren deutlich besser. Da gab es Redakteur/Übersetzer, Redakteure, Verantwortliche Redakteure und Leitende Redakteure. Am 1. Juni sollte er seinen Job als Redakteur/Übersetzer antreten.

   

<- voriges Kapitel

nächstes Kapitel ->