Der Mansfeld kommt

Erinnerungen an Krieg und Frieden

Autor: Helmut Bollmann

 

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Diedenbergen

   In der Zeitung wurde eine Wohnung in Diedenbergen bei Hofheim angeboten - mit Baukostenzuschuss. Baukostenzuschuss? Das war für die Mutter kein Thema. Wofür bekam der Vater seine dicke Pension? Sie war eine sparsame Hausfrau, sie saß auf dem Geld, sie würde es richten.

   Im Jahr 1956 zog Bolle nach Diedenbergen um. Die funkelnagelneue Wohnung im ersten Stock hatte drei Zimmer, Küche und ein modernes Bad sowie einen sehr großen Balkon über dem Wohnzimmer des Vermieters. Heidi fuhr mit dem Rad zu Schule. Bolle nahm die Bahn nach Frankfurt - in Hofheim hielten auch die Eilzüge - oder klemmte sich, wenn er Spätschicht hatte und an Sonntagen, hinters Steuer.

   Als der Hausbesitzer starb, machten die Erben Eigenbedarf gelten und legten Bolle nahe, sich doch selbst ein Haus zu bauen. Als Inhaber des geerbten Fuhrbetriebes mit Baustoffhandel wollten sie ihm zu Selbstkostenpreisen unter die Arme greifen.

   Von  nun an ging Bolle mit Bauplänen schwanger. Er suchte nach dem idealen Grundstück und fand es auch. Am oberen Ortsrand zweigte von der stark ansteigenden Straße nach Langenhain ein Feldweg ab, der durch Ackerland und Obstbaumflächen im spitzen Winkel ins Dorf zurücklief. Einziges sichtbares Bauwerk weit und breit war bei belaubten Bäumen außer dem Kirchturm ein Häuschen, das ein Flüchtling aus Ungarn vorn an der Abzweigung errichtet hatte.

   

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